Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs nahmen im HNF in Paderborn am Projekt Zeit ohne Zeugen teil. Das innovative medienpädagogische Projekt nutzte Virtual Reality (VR), um die Zeit von 1933 bis 1945 erlebbar zu machen. Durch immersive Erfahrungen erhielten die Schülerinnen und Schüler einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocausts. Das Projekt umfasste sechs Module und regte dazu an, sich kritisch mit Themen wie Manipulation, Menschenfeindlichkeit und demokratischer Verantwortung auseinanderzusetzen.
Wir unternahmen eine Zeitreise nach Amsterdam und bewegten uns durch das Hinterhaus, in dem sich unter anderem Anne Frank versteckt hielt. Wir erhielten Einblicke in das Versteck, hielten das Tagebuch in den Händen und hörten daraus vorgelesene Passagen. Die eingangs gestellte Frage: Was würdest du mitnehmen, müsstest du untertauchen? bekam nach dieser Erfahrung eine ganz neue Bedeutung. Unsere Antwort lautete: Fotos und Dinge, die uns an unser Leben und an unsere Lieben erinnern.
Wir erlebten das Warschauer Ghetto, sahen eine exklusive Ausstellung aus England und beschäftigten uns mit der Macht und Aussagekraft von Fotografien. Dabei wurde deutlich: Menschen riskierten ihr Leben, um im Konzentrationslager Beweise zu sammeln und nach außen zu bringen. Andere nutzten Fotografien hingegen gezielt zu manipulativen Zwecken.
Außerdem ertönten aus einem alten Radio die Stimmen von Faschisten. Einige der Aussagen stammten jedoch nicht aus der Zeit vor 80 Jahren, sondern waren aktuelle, besorgniserregende Aussagen mit demokratiefeindlichen Inhalten von Politikern. Dadurch wurde deutlich, dass menschenfeindliche und demokratiegefährdende Ideologien keineswegs nur der Vergangenheit angehörten.
Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, die Gedenkstätte und das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau aus der Perspektive einer Drohne zu betrachten. Ein Gelände, das etwa 200-mal so groß wie ein Fußballstadion war. Ein Ort der systematischen Vernichtung von Menschen, dessen Ausmaß kaum zu begreifen ist. Diese Zahlen und die virtuellen Eindrücke beeindruckten unsere Schülerinnen und Schüler sehr. Dazu trugen auch die Zeitzeugen bei, denen wir durch die VR-Brillen direkt gegenübersaßen und deren Berichte wir hören konnten.
Wir lernten, wie aus einem Feindbild eine Vernichtungsmaschinerie entstand, die erst gestoppt wurde, als es für Millionen von Menschen längst zu spät war.
Wir als Schulgemeinschaft sagen deshalb – wie schon so oft: Nie wieder ist jetzt!
(Text und Fotos: ASL)